77_STT

Baugruppe Stadtteilchen

Neubau einer Baugruppe auf dem Clouth-Gelände, Köln-Nippes

Bauherr
12 Erwachsene und 11 Kinder sind die Baugruppe „Stadtteilchen“. In einem knapp vierjährigen Prozess haben sie ihre Wunschvorstellung vom Wohnen Wirklichkeit werden lassen. Den jungen Familien war es in erster Linie wichtig, weiterhin mit ihren Kindern zu einem angemessenen  Preis zentral in der Stadt wohnen zu können. Die Bauherren sind ein Zusammenschluss aus zwei Freundeskreisen. Das Planen und Bauen in einer Baugruppe machte dies in einer Hausgemeinschaft mit Gleichgesinnten, kindgerecht und individuell unterschiedlich möglich. Der Name der Gruppe macht deutlich, dass man sich und das gemeinsame Haus als Teil der Stadt versteht.

Verfahren
In Köln Nippes wurde auf dem Clouth Gelände zwischen Niehler Straße und Amsterdamer Straße, entlang der Straße „Auf dem Stahseil“ ein Mehrfamilienhaus mit 6 Wohneinheiten errichtet. Die Vergabe des Grundstücks beruhte auf einem Vergabeverfahren der Stadt Köln. Mit einer zugeteilten Bruttogeschossfläche von 1160 m2 und daraus resultierenden circa 770 m2 Nutzfläche ergaben sich 668 m2 Wohnfläche. Räumliche Aufgabe war es, in einem einseitig angebauten Gebäuderiegel gleichwertige Wohnungen für Familien um eine gemeinsame Mitte zu stapeln.

Gemeinschaft
Zentraler Bestandteil des Hauses und der Gemeinschaft ist das Treppenhaus, dass sich in Form einer Spirale um einen Luftraum nach oben windet. Das Treppengeländer folgt den angewendelten Treppenläufen kontinuierlich, es bricht lediglich im Erdgeschoss aus der Geometrie des Treppenhauses aus. Hier bildet ein über zwanzig Quadratmeter großer Eingangsbereich das großzügige Foyer, das auch als Gemeinschaftsraum genutzt werden kann. Zu den verschiedenen Jahreszeiten kann das Foyer geschmückt werden mit Weihnachtsbäumen und Sternen, Karnevalsgarnituren, geschmückten Osterzweigen, Geburtstagsgirlanden, Lichterketten. Hier können bei schlechtem Wetter auch die Kinder gemeinsam spielen, die Südausrichtung der 3 Meter breiten Festverglasung bewirkt hier eine helle, einladende und warme Atmosphäre. In Ruhe kann man einen ersten Blick auf die Post werfen. Vor dem Haus liegt eine fast vier Meter breite Treppe, die zum gemeinsamen Sitzen in der Sonne einlädt und die Gruppe nach aussen mit den Nachbarschaften vernetzen wird.  Auf einem Treppenpodest soll der „Teilchenautomat“ aufgestellt werden, der im Quartier Kleinigkeiten im Automatenbetrieb anbietet.

Über das Treppenhaus wird auch der 180 Quadratmeter große Gemeinschaftsgarten mit großer Terrasse, Kinderspielflächen Staudenbeeten, Strauchgruppen Obstbäumen und Kräutergarten erreicht. Im Untergeschoss befindet sich neben den Kellerräumen zu jeder Wohnung auch ein gemeinsamer Freizeitraum, nutzbar für alle Wohneinheiten, ein Abstellraum für 25 Fahrräder, sowie der Zugang zur mit 3 weiteren Baugruppen geteilten Tiefgarage. Dort befinden sich für die Baugruppe Stadtteilchen 6 Stellplätze für die 6 Wohneinheiten.

Von oben wird das Treppenauge über ein großes Oberlicht belichtet. Eine Dachluke über dem letzten Treppenlauf läßt die informelle Möglichkeit zu, das Silvesterfeuerwerk gemeinsam vom Dach zu beobachten.

Innovative Ansätze
Die Wohnungen haben teilweise leichte Aussenwände.  In den Loggien wurden so nicht tragende Wände, die möglichst dünn sind, realisiert. Die Ausführung wurde mit dem Hersteller sowie den ausführenden Fachunternehmen eng abgestimmt. Für die Aussenwände wurde eine eigene Statik erstellt.

Umweltverträglichkeit
Das Gebäude ist ein „Effizienzhaus 70“ nach EnEV 2014. Die Dämmung wurde in Mineralwolle ausgeführt.

Wohnungen
An dem gemeinsamen Treppenhaus liegen alle Wohnungen. In dem 4 geschossigen Kubus liegen auf jeder Etage eineinhalb Wohnungen. Das Haus besteht aus zwei Maisonettewohnungen und vier Etagenwohnungen. Jede Wohnung hat eine Anbindung an die Westfassade, auf der die Abendsonne steht und die einen Ausblick auf die ortsprägende Halle 17 bietet.

Die Aufenthaltsräume aller Etagen erhalten eine Raumhöhe von 2,70 Metern. Jede Wohnung erhält eigene Qualitäten, die untereinander so vergleichbar sind, dass kein Unterschied in der Wertigkeit gemacht wird. Jeder Quadratmeter Wohnfläche kostet im Haus gleich viel. Die Etagenwohnung im Erdgeschoss hat einen eigenen Garten, der um das Haus führt. Die Maisonette im Erdgeschoß verfügt neben einer gartenseitigen Terrasse über einen großen Luftraum, an den die zweigeschossige Loggia angebunden ist. Eine zweigeschossige Verglasung zu der eigenen Loggia ermöglicht in der Wohnung trotz des schmalen Straßenprofils den Blick zum Himmel. Die Etagenwohnung im 1. Obergeschoss hat hat eine zweigeschossige Loggia an der Westseite des Gebäudes. Die Loggia liegt am Wunschort der Eigentümer. Im 2. Obergeschoß liegt eine Etagenwohnung mit einer zentral in die Wohnung eingeschnittenen zweigeschossigen Loggia. Die Südausrichtung des Wohntraktes im 2. Obergeschoß ermöglicht sehr helle Räume. Die Maisonette über das 2. und 3. Obergeschoß hat eine zweigeschossige Loggia zum Westen hin, beide Geschosse sind großzügig verglast. Im 3. Obergeschoß liegt eine Wohnung mit Dachterrasse und Domblick.