84_PSK

Parkstadt Süd, Köln

Die atmende Stadt, Parkstadt Süd, Köln

Jahrhundertchance
Seit 1924 fehlt das letzte Segment des inneren Grüngürtels zwischen Universität und Rhein. Jetzt besteht die Jahrhundertchance, dieses zum Rhein hin offene Kreissegmentg zu vervollständigenn. Wir thematisieren in unserem Entwurf die kurzfristige, qualitative Schaffung dieses Ringschlusses sowie die darauf aufbauende Transformation des Planungsgebiets in eine Parkstadt des 21. Jahrhunderts.

Die in der Zielvereinbarung identifizierten Strategien für die Entwicklung der Parkstadt Süd bilden die Grundlage des hier gezeigten Gesamtkonzepts. Sie wurden im Prozess des kooperativen Verfahrens konkretisiert und in ein räumliches und strategisches Konzept zur Entwicklung der „Atmenden Stadt“ übersetzt. Strategien wie „Atmende Kerne“, „Adaptive Stadt“, „Komplementäre Stadt“, „Buntes Lebendiges Köln“, „Mobile Stadt“, „Produktiver Park“ und „1 Organismus“ bilden die ideologische Basis für die Detaillierung der Teilgebiete und machen unsere Haltung deutlich, die einen starken Rahmen schaffen möchte, innerhalb dessen wir sowohl vorhandene Strukturen und Atmosphären, als auch Ideen und Initiativen aufgreifen und als Katalysatoren für eine qualitative Entwicklung des Gebietes einsetzen wollen.

In die Ausarbeitung des Gesamtkonzepts sind zum einen Erkenntnisse unsererseits aus Analyse und detaillierten Teilstudien, zum anderen Diskussionspunkte der Veranstaltungen, Denkanstöße und Ideen der Stadtgesellschaft, sowie des Begleitgremiums eingeflossen.

Grüngürtel des 21. Jahrhunderts
Der Park des 21. Jahrhunderts muss mehr sein als nur ein Park. Als multifunktionales und flexibles Herz der neuen Parkstadt Süd entwickelt er sich im Spannungsfeld von eigener, moderner Identität und der Tradition der Parkanlagen von Fritz Schuhamcher. Er muss inhaltlich und gestalterisch in der Geschichte des Ortes, der Menschen und der Nutzungen verankert sein, aber auch aktuelle Fragestellungen beantworten wie Regenwassermanagement und Klimaanpassung.

Wir sehen den Grüngürtel in der Parkstadt als einen räumlich zusammenhängenden Freiraum mit starker Identität. Die Kontinuität entsteht durch die prägnante Formulierung der Parkränder: im Norden formt schon in frühen Stadien der “Kick-off-Boulevard” eine wiedererkennbare, kontinuierliche Raumkante. Ein großzügiger Weg, frei angeordnete Baumreihen aus den unterschiedlichsten Baumarten und eine durchgängige Regenwassermulde bilden dieses erste durchgängige Element der Parkstadt. In der weiteren Entwicklung integriert sich dieser Boulevard ganz natürlich in den nördlichen Rand des Parks und die Terrassen entlang des Bahndamms. Dort können einzelne Nutzungen platziert sein, im Wesentlichen wird aber der Biodiversität Raum gegeben. Um diese mit der Raderberger Brache zu verbinden, wird eine Grünverbindung durch das neue Quartier geschaffen. Entlang des Kick-off-Boulevards werden bestehende Gebäude und –Nutzungen wie zum Beispiel die Lange Halle, das Glacisquartier, der Alteberger Biergarten und die Moschee im Gleisdreieck, ins dichte Grün integriert und inhaltlich nachverdichtet. Dies trägt zur Aktivierung des nördlichen Parkrandes bei.

Im Süden wird der Parkrand geprägt durch Pakete funktionalen Grüns, die flexibel bespielt werden können. Hier können Mietergärten, Urban Farming, Biomasseproduktion, Spielplätze oder Sportflächen entstehen und zur Interaktion von Bewohnern und Parknutzern beitragen. Im Zusammenspiel mit der Programmierung der offenen Parkräume können hier Nutzungsbedürfnisse auch der angrenzenden Quartiere integriert und angeboten werden. Die Grundstruktur des Parkes ist vorgegeben, die Nutzungen entwickeln sich aus den Bedürfnissen der Bewohner und Besucher und aus der Geschichte des jeweiligen Ortes – wir bezeichnen dies als die atmenden Kerne.

Wir sehen aber noch einen weiteren Entwicklungsschritt moderner Parks und das ist die Idee der produktiven Landschaften. So können entlang der langen Halle, die teilweise auch als “Maschinenraum” für die Produktion von Kölner Erde für den Park dienen kann, Flächen zu Anbau und energetischer Verwertung von Biomasse integriert werden. Überhaupt könnten alle organischen Abfälle der Parkstadt in Erde oder Energie transformiert werden und einen Beitrag hin zu einer weitgehend geschlossenen Kreislaufwirtschaft leisten.

Die Großmarkthalle nimmt eine prominente Stellung zwischen Park und Bebauung ein und prägt diesen Bereich fundamental; nicht nur räumlich und ästhetisch sondern auch programmatisch. Hier entsteht ein aktiver, gewerblicher Kern im Plangebiet. Dieser wird durch den See zusätzlich landschaftlich in Szene gesetzt.

   

“Das Team um das holländische Büro KCAP, Rotterdam/NL mit Atelier Dreiseitl, Überlingen und office03 Waldmann & Jungblut PartGmbB i. G., Köln hat den Entwicklungsprozess der Parkstadt in den Vordergrund gestellt und mit ihrem „Kick Off“ Park, der schon vom ersten Tag der Realisierung an einen temporären Weg und damit einen wachsenden Park vorsieht, einen wichtigen Aspekt eingeführt und im Planungsprozess weiter verfolgt. Auf diese Weise könnte der Park langsam wachsen, als grüne Oase ebenso wie als Fuß- und Radweg oder als Aufenthalts- und Möglichkeitsraum für alle Kölner. Ebenso wie einige andere Büros haben sie spannende Typologien aus den Bestandsgebäuden entwickelt und lassen ein schrittweises Planen und Handeln mit dem Bestand offen.”
koelnarchitektur, Ragnhild Klußmann     

mit
KCAPArchitects&Planners
ATELIER DREISEITL